Hauskirchen in Deutschland

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Desert Generation – die zweite Chance

Eine Betrachtung über den Leib Jesu in Deutschland

von Sabine Schippers

Wie einst das Volk Israel am Jordan, so stehen auch wir heute wieder an einer Wegscheide. Dabei ist weniger entscheidend, ob wir in den Jahren unserer Wüstenwanderung das Richtige getan haben, sondern ob wir uns jetzt von unserem Vater rufen lassen und die Bereitschaft mitbringen noch einmal alles auf seinen Altar zu legen und sein Feuer darauf fallen zu lassen.

 

Desert Generation

... das sind wir, die ab 30er, wir die wir uns in den Gemeinden engagieren, oder sie in Streit und Trauer verlassen haben. Wir, die Zuhörer in Gottesdiensten und Hauskreisen, die sich darauf verlassen, dass Leiter oder Prediger immer die richtige Antwort haben. Wir, die in Liebe Küchen- und Putzarbeiten in unserer Gemeinde verrichten, Bischöfe und Dekane, CVJM-Sekretäre und Jungscharleiter. Wir, die versuchen, Gemeinde im Haus zu Leben und wir, die wir in unserem Ehrgeiz, dies zu erreichen, scheiterten. Wir, die in der ewigen Zerrissenheit zwischen Beruf Familie und Gemeinde leben.

 

Alles hat seine Zeit

Viele von uns haben in den letzen Jahren und Jahrzehnten viel Schweiß, Kraft, Zeit und Tränen in ihre Gemeinde investiert. Wir haben Kämpfe im Glauben bestanden, Gottes Reden und Führung erlebt. Niemand achtet das gering. Doch mit den Erfahrungen der Vergangenheit können wir nicht das bestreiten, was vor uns liegt.

Auch die zweite Wüstenzeit Israels war voller Ereignisse, Glaubenskämpfe, Versagen und Versöhnung. Die Generation, die zum zweiten Mal den Jordan erreicht, zählte zu den Kindern, als der Herr das Volk Israel zurück in die Wüste schickte. Der größte Teil ihres Lebens wurde von der Wüstenerfahrung geprägt. Doch es war von vorn herein klar, dass dies nicht das letzte Ziel ihres Lebens war.

Wie geht es dem Leib Jesu in Deutschland heute? Kann es sein, dass wir uns „in der Wüste“ eingerichtet haben, dass wir nicht mehr erwarten, als das, was wir kennen? Schließlich haben wir Gottes Reden und Handeln immer wieder erlebt. Dort wo es ausblieb, sind wir nicht selten der Versuchung erlegen, diese Lücke durch eigenes Handeln zu schließen. Aktionismus und Methode als Feigenblatt für unsere „Nacktheit“? Und wenn als Lohn unserer Mühe ein paar „neue“ Menschen in unsere Gemeinde kamen, waren wir stolz und zufrieden.

Doch wo sind die Menschen, die weinen über die Farce, die der Leib Jesu in unserem Land darstellt? Wenn das Salz nichts wert ist, wird es auf die Straße geworfen und die Leute treten darauf (Matth.5/13). Beschreibt das nicht genau unsere Situation?

 

Was die Stunde geschlagen hat

Als das Volk ein zweites Mal an den Jordan kommt, wird es von Gott neu unterwiesen und informiert über alle gegenwärtig und zukünftig wichtigen Dinge. Und auch jetzt ist wieder eine Zeit, in der Gott die Reihen ordnet.

Alles, was wir heute  wissen müssen, haben wir bereits gehört auf unzähligen Konferenzen, gelesen in einer großen Zahl von Büchern, gespürt im persönlichen Reden Gottes zu uns. Wie in 5. Mose 30;11 ff. beschrieben, haben wir nun die Wahl zwischen Leben und Tot. Was Gott von uns fordert ist nicht das Unmögliche und Unverständliche. „Denn es ist das Wort ganz nahe bei dir, in deinem Munde und in deinem Herzen, dass du es tust.“

Der Leib Jesu in unserem Land gleicht einem zerhackstückeltem Körper. Das Todesurteil für jeden Menschen. Es ist reine Gnade unseres Vaters im Himmel, dass trotzdem hier und da Leben zu finden ist – um derer Willen, die Er erretten will, nicht weil wir auf dem richtigen Weg wären.

Denn der Leib ist nicht nur ein Glied, sondern viele. Doch in Deutschland sagt die Hand zum Fuß, „ich brauche dich nicht“ und das Auge zum Ohr „du gehörst nicht zu mir, weil du so anders bist“. Die Existenz von Denominationen hat schon fast den Status eines Naturgesetzes erreicht. Und Achtung! Auch nicht (mehr) zu einer klassischen Gemeinde oder Denomination zu gehören, kann schon wieder zur Identität werden.

 

Mutation im Leib Jesu

Der Her möchte ein Erneuerung und Veränderung seines Leibes von Grund auf. Sind wir dazu bereit?

Wir versammeln uns um Gott anzubeten und in seinem Wort zu lesen, aber unser Herz (unsere Not unser Versagen) teilen wir nicht miteinander. Das macht uns unglaubwürdig.

Wir machen uns glaubend, besser zu sein, als wir es wirklich sind und beugen uns herab zu Menschen, die in ihrem Leben straucheln. Das ist heuchlerisch und schafft eine Atmosphäre, die es schwer macht Schuld zu bekennen.

Wenn wir erzählen, wohin wir gehören, sprechen wir von unsrer Denomination, nicht von unserem Herrn. Woher kommt unsere Identität?......

Wir beginnen Hauskirchen aus der Verletzung und in Abgrenzung zu dem, was uns in Gemeinden angetan wurde. Es besser machen zu wollen, ist das schon Identität und Vision? Auch wenn der Herr neuen Wein in neue Schläuche füllt, Hauskirchen sind nicht der Leib, sondern ein Teil des Leibes Jesu vor Ort.

Wie können wir den Platz einnehmen, den der Herr uns in seinem Plan zugedacht hat, wenn wir wie ein Haufen Schiffbrüchiger herumlaufen? Wenn wir nicht erkennen, dass jetzt die Zeit ist, in der der Herr seine Braut reinigen und kleiden will, dann werden wir in Bedeutungslosigkeit und Unglaubwürdigkeit, Ungehorsam und Gleichgültigkeit untergehen. Gott ist unterwegs die Verlorenen zu retten gegebenenfalls ohne uns.

 

Es ist wieder Zeit für Kundschafter

Es ist wieder die Zeit der Kundschafter und zwar zunächst innerhalb des Leibes Jesu und dann erst für das Land, dass wir wieder einnehmen sollen. Für beides aber gilt: Nicht wie etwas aussieht ist wichtig, sondern, was der Herr dazu sagt.

 

 

Am Anfang war nicht ich, sondern der Herr, der seinen Liebsten für uns gab, um uns eine zweite Chance zu geben. Wir hatten nichts eingesehen, nicht um eine zweite Chance gerungen. Es war Seine Initiative, aus Liebe zu uns, weil das Gesetz nicht aufgehoben, sondern erfüllt wurde.

Nun, das ist weithin bekannt und immer wieder verkündigt, Opfer einer Art geistlichen Inflation. Wir bejahen es mit dem Kopf, aber es berührt kaum (noch) unser Herz. Hin und wieder versuchen wir aus eigener Kraft, diesen Dingen wieder mit dem Herzen nahe zu kommen und erzeugen doch eher Gefühlsduselei als Betroffenheit.

Es heißt: “Wem viel vergeben wurde, der Liebt auch viel.“ An dieser Stelle möchte ich einfach die Fragen weitergeben, die mir beim Lesen kamen. Wurde mir viel vergeben, als ich ein Leben mit Jesus begann? Fiel eine Last dadurch von mir? Und liegt der Fehler nicht darin, dass ich den Satz in der Vergangenheit formuliere? Wird mir viel vergeben Tag für Tag? Kenne ich diese Entlastung und Heilung, die Freiheit bringt und mich mit Freude und Liebe erfüllt? Habe ich gekostet von der Quelle des Lebens und kann nicht davon lassen, diese Erfahrung mit anderen zu teilen – ohne die nüchterne Sicht über mich selbst zu verlieren, die mich demütig macht?

Der Herr hat viele Wege und Arten uns zu begegnen und unter die Haut zu gehen. Doch am Anfang steht immer seine Liebe zu uns. Und sie bleibt der Schlüssel für alles weitere: „Selbst wenn ich in allen Sprachen der Welt, ja mit Engelszungen reden könnte, aber ich hätte keine Liebe, so wären alle meine Worte hohl und leer, ohne jeden Klang, wie dröhnendes Eisen oder ein dumpfer Paukenschlag. Könnte ich, aus göttlicher Eingebung reden, wüsste alle Geheimnisse Gottes, könnte seine Gedanken erkennen und hätte einen Glauben, der Berge versetzt, aber mir würde die Liebe fehlen, so wäre doch alles nichts. (1.Kor. 13; 1-2)

 

Top secret

Hier geht es um Dinge, die höher sind als unsere Vernunft und unser Vermögen. Ich habe erlebt, dass es möglich ist, vollkommen "rindenlose" Gemeinschaft mit Menschen zu haben, die man sich nicht gewählt hat und die so unterschiedlich sind, wie man sich nur denken kann. Der Herr kann es wirken und uns hineinnehmen. Es ist sein Geheimnis und unsere Hoffnung.

 

Die "Gretchenfrage" ist:

Wie viel darf es uns kosten, dass der Leib Jesu in unserem Land wieder als seine eine Braut zu erkennen ist, dass es Christen einer Stadt gibt, die sich an verschiedenen Orten treffen und regelmäßig auch gemeinsam treffen?

 

Herr, was willst Du, dass ich tue?

Die Liebe und Demut, die wir brauchen um uns als Geschwister zu begegnen, können wir uns nur schenken lassen.

Es geht nicht um einen allgemeinen Versöhnungstaumel, sondern um einzelne ganz konkrete Schritte. Die einzige Möglichkeit ist, unseren VATER  zu fragen, welche Schritte ER mit uns gehen möchte. Für manche wird dieser Prozess einen schmerzhaften Zerbruch bedeuten. Anderen geht Gott wellenweise unter die Haut. Vergleichen ist wenig hilfreich. Wir sind dabei ganz auf Gott geworfen. Doch an den Früchte  wird man Erkennen, was geschehen ist.

Die Veränderung des Leibes Jesu muss nicht vollkommen und abgeschlossen sein, bevor der Herr uns in seine Ernte schickt. Aber wenn es keine Erneuerung gibt, wird die Ernte ohne uns stattfinden

„Heute gebe ich Euch ein neues Gebot: Ihr sollt einander leiben, so wie ich euch geliebt habe. An eurer Liebe füreinander wird die Welt erkennen, dass ihr meine Jünger seid. (Joh.13; 34-35)

 

Vor uns liegt eine unglaubliche Herausforderung, die unser ganzes Leben noch einmal ändern wird. Besonders denen, die über „50“ sind und deren Lebensrhythmus so voraussagbar scheint, möchte ich sagen, das da noch etwas auf sie wartet, jenseits der konventionellen Lebensgestaltung. Auch mit dieser Altersgruppe möchte Gott noch mal zu neuen Ufern aufbrechen.